Ulrike Podzus:
Selbstständigkeit zu erhalten, ist ein sehr hohes Gut. In der Inkontinenzversorgung hängt das aber stark von den Voraussetzungen der betroffenen Person ab.
Bei einer leichteren Inkontinenzform ist eine selbstständige Versorgung eher möglich. Das gilt zum Beispiel für Einlagen oder Pants. Wenn stärkere aufsaugende Inkontinenzprodukte wie Vorlagen eingesetzt werden, wird das Handling schwieriger. Sie müssen richtig angelegt und mit Fixierhosen kombiniert werden. Dafür braucht es eine gewisse Fingerfertigkeit und auch kognitive Fähigkeiten.
Bei Urinalkondomen und Beutelversorgung ist es ähnlich. Entscheidend ist, ob die betroffene Person kognitiv in der Lage ist, die Versorgung selbstständig durchzuführen, und ob die nötige Fingerfertigkeit vorhanden ist oder ob gegebenfalls Angehörige unterstützen können. Ein Urinalkondom muss korrekt angewendet werden können. Nach meiner Erfahrung wird diese Versorgung häufig durch Dritte übernommen, aber es gibt auch Menschen, die sie selbstständig handhaben.
Auch beim ISK spielt die Frage eine Rolle, ob die betroffene Person die Versorgung selbst handhaben kann oder Unterstützung benötigt. Im Homecare-Bereich gibt es Kundinnen und Kunden, die damit umgehen können; im vollstationären Bereich begegnet mir diese Versorgungsform allerdings eher selten.
Jüngere Betroffene sind dabei oft eher in der Lage, sich selbst zu versorgen. Ältere Menschen tun sich teilweise schwerer, gerade wenn die Fingerfertigkeit nachlässt. Angehörige sollten deshalb nicht nur auf das Produkt achten, sondern auch darauf, was die betroffene Person realistisch selbst leisten kann und wo Unterstützung notwendig ist.